Schlüsselqualifikationen

 
Historische Eingrenzung
Was sind Schlüsselqualifikationen?
Schlüsselqualifikationen und Neue Medien

   Was sind Schlüsselqualifikationen?
 
Die historische Eingrenzung des Begriffes "Schlüsselqualifikation" zeigt, dass der Begriff
bestimmte Beziehungsmuster (Relationen) umfaßt, die durch das folgende Schaubild
dargestellt werden sollen:
 

 

Dabei ist zu beachten, dass die Auseinandersetzung der SchülerInnen mit der Sache
eigenständig
verlaufen soll, d.h. dass diese sich die Sache selbst erschließen und sich
der Sache auch in gewisser Weise öffnen müssen. Die LehrerInnen treten als Vermittler
in den Hintergrund und geben das Feld frei für eine direkte Auseinandersetzung mit der
Sache und den anderen Handelnden. Die SchülerInnen müssen Schlüsselqualifikationen
"in der Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand selbst aufbauen"
(Spanhehl, a.a.O., S. 68). Dieser Aufbauprozess lässt sich mit der nun folgenden Tabelle Systematik der Schlüsselqualifikationen  (ebenda, S.69) verdeutlichen:
 
Beziehungs-
dimensionen
Wahrnehmen/
Erkennen
kognitives
Verarbeiten
Fühlen und Werten
Kritikfähigkeit
Handeln
Planungsfähigkeit
Sache
(Sach-
kompetenz)
Offenheit
Aufmerksamkeit
Konzentrations-
fähigkeit
Kreativität
vernetztes Denken
Transferfähigkeit
Vorstellungsvermögen
analytisches Denken
Urteilsfähigkeit
Problembewusstsein
Genauigkeit
Leistungsbereitschaft
Interesse
Frustrationstoleranz (Anmerkung der AutorInnen)
Organisations-
fähigkeit
Arbeitstechniken
Problemlösungs-
strategien
Medienkompetenz
Sprachkompetenz
Methodenbe-
herrschung
Mitmenschen
(Sozial-
kompetenz)
Sensibilität
Offensein für Andere
Empathie
soziale Phantasie
Unterscheidungs-
fähigkeit
Interpretationsfähigkeit
Verantwortungsbe-
wusstsein und -fähigkeit
Einfühlungsvermögen
Kritikfähigkeit
Urteilsfähigkeit
Kommunikations-
fähigkeit
Konfliktlösungs-
strategien
Kooperations-
fähigkeit
Teamfähigkeit
Hilfsbereitschaft
Ich
(Ich-Kompetenz)
Selbstwahr-
nehmung
Selbsterkennt-
nis
Selbstbild
Ehrlichkeit
Klarheit
Differenziertheit
Selbsteinschätzung
Selbstvertrauen
Anspruchsniveau
Selbstkritik
Reflexionsfähigkeit
Selbststeuerungs-
fähigkeit
Selbstkontrolle
Selbstdarstellung
Körperaspekt Wahrnehmung
der Körpersignale
Belastbarkeit Grenzen erkennen Psychohygiene

Im Wahrnehmungsbereich lassen sich Offenheit, Sensibilität und Beweglichkeit als zu erreichende Qualitätsstandards der Prozesse und Beziehungsmuster ableiten. Dabei ist zu beachten, dass es keine gesicherten Wahrheiten gibt, dass wir ein Problem gedanklich hin und her wälzen müssen, um Art, Struktur und Komplexität des Problems erkennen zu können.

Im kognitiven Bereich müssen die Handelnden erkennen, dass Wissen potentielle Handlungsmuster, Denk- und Handlungsstrukturen beinhaltet. Es geht  um die Fähigkeit zur Transformation und Neuorganisation von Handlungs- und Denkmustern bei der tätigen Auseinandersetzung mit den neuen Sachverhalten.  "Verfügbarkeit über eine Vielzahl von Denkschemata und symbolischen Repräsentationen, Fähigkeit zur Transformation und Neuorganisation komplexer kognitiver Strukturen beim Aufbau immer adäquaterer innerer Modelle der Außenwelt sind die Merkmale der anzustrebenden Grundqualifikationen" (ebenda, S.70).

Im Bereich des Fühlens und Wertens geht es um den Aufbau von Steuerungsgrößen für alle Prozesse in der Person und in der Auseinandersetzung mit der Umwelt - also um einen kategorischen Imperativ beim selbstgesteuernten Lernen. Moralische Integrität, Reflexion des eigenen Wertesystems und Ausdifferenzierung der Wertmaßtäbe sind die Qualitäten der 3. Spalte der Schlüsselqualifikationen.
Handeln (Methodenkompetenz) bedeutet, dass innerhalb eines bestimmten Rahmens zielgerichtet und planvoll vorgegangen wird um einen subjektiven Sinn zu verwirklichen. Nur innerhalb eines bestimmten Rahmens lassen sich Handlungen auf ein Ziel ausrichten und damit methodisch organisieren. Dadurch bringen die Lernenden Ordnung in die Komplexität der eigenen Lebenswelt.

Aus dem Gesagten ergibt sich, " dass in einer Lernsituation nicht immer schon von vornherein feststehen darf, was richtig und was falsch ist. Es muss ein Spielraum bleiben, in dem der Lernende experimentieren und (sich) erproben kann, in dem er Fehler machen darf, um sie selbst erkennen und daraus lernen zu können" (ebenda, S. 71).  Der Aufbau von Schlüsselqualifikationen bedeutet also, dass SchülerInnen innerhalb eines bestimmten unterrichtlichen Rahmens nicht nur die von der Lehrkraft angezielten fachlichen Inhalte lernen, sondern noch eine Vielzahl von weiteren Fähigkeiten mitlernen.

Schlüsselqualifikationen sind Dauerziele für jeden Unterricht: Sie bedürfen ständiger Übung und niemand weiß, wann sie endgültig erreicht sind. "Sie bedürfen ständiger Übung und Förderung im tätigen Vollzug, um sie zu erhalten, neu zu sichern und weiter zu verbessern" (ebenda, S. 71). Zudem sind sie nicht direkt Gegenstand von Unterricht - das kann immer nur die Sache sein - sondern werden mitgelernt. Deshalb muss der unterrichtliche Rahmen in einem gewissen Maß frei sein von Lehrplandruck, Zeit- und Leistungsdruck. Es muss einen Freiraum geben bei der Auseinandersetzung der SchülerInnen mit dem Unterrichtsgegenstand, der Spielräume schafft für die Kreativität und die Transferfähigkeit der Lernenden.

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